Defensive Jaw – Ein Leben im Schutzmodus

Defensive Jaw – Ein Leben im Schutzmodus

Die einen klagen ständig über ihn. Andere behaupten, er mache das Leben erst lebenswert, und Spitzenleistungen überhaupt erst möglich. „Ich brauche einen gewisse Art von Stress, er ist gut für mich!“, höre ich des öfteren Menschen sagen, wenn ich sie auf ihre offensichtliche Verbissenheit in ihrem Leben anspreche. Tatsächlich, und das kenne ich auch aus meiner Zeit als Sportler, scheint es so etwas wie einen leistungsfördernden Stress zu geben. Doch ist das wirklich so? Und was steckt dahinter? Mit dieser Frage habe ich mich die letzten Monate intensiv beschäftigt und dabei Interessantes herausgefunden. Aber lest selbst!

Ein Punkt scheint hier jedenfalls wieder mal in Stein gemeißelt zu sein: Körper und Geist hängen unmittelbar zusammen. Dies wussten schon die Steinzeitmenschen, und soweit zurück reicht auch meine Erkenntnis die ich gefunden habe, und die sich auch wissenschaftlich untermauern lässt.

Mentaler Stress verursacht körperliche Reaktionen!

Der Kiefer ist ein sensibler Stresssensor, der in einer Stresssituation nicht nur kontrahiert, sich also anspannt, sondern auch das Gefühl oder die Emotion zur dazugehörenden Situation speichert. Und hier sind wir in der Steinzeit angelangt. Nicht nur was unser Wissen über Kiefer-Stress betrifft, sondern auch über die aus der Urzeit stammenden Automatismen und Aufgaben unserer Körperfunktionen. So ist es die Aufgabe unserer Kiefermuskulatur, bei Gefahr in Spannung zu gehen, um einen etwaigen Angriff, in dem Fall einen Schlag, abzufangen. Diese Kontraktion der Kiefermuskulatur ist gleichzeitig ein Signal an weitere Haltemuskeln im Körper ebenfalls in Bereitschaft und somit in Spannung zu gehen. Hat diese Gefahr früher oft zum Kampf oder zumindest zur Flucht, also zu einer körperlichen Betätigung, geführt, läuft dies heute ganz anders ab.

Über das Reptiliengehirn wird in der Stresssituation immer noch Gefahr signalisiert, der Kiefer spannt an und bleibt dann auch angespannt. Denn anders als in der Steinzeit verarbeiten wir dieses Gefahrensignal im Sitzen. Denn unsere „Gefahr“ unser Stress ist meist nicht mehr körperlicher Natur, sondern nur noch auf mentaler und emotionaler Ebene. Das Reptiliengehirn allerdings kann dies nicht unterscheiden und reagiert nach wie vor, als käme es gleich zum körperlichen Kampf. Und dieses Anspannen der Kiefermuskulatur, was zu dauerhaften Muskelverspannungen im Gesichtsbereich führt, wird als Verteidigungskiefer (Defensive Jaw nach Dr. Ferreri) bezeichnet. Dieses dauerhafte Anspannen sorgt nicht nur für Dauerstress, welcher zu Zähneknirschen, Schnarchen, Zahnfehlstellungen usw. führt, sondern hält uns in einem Dauer-Schutzmodus. Und dieses Bedürfnis nach Sicherheit, ein Grundbedürfnis des Menschen, verhindert unser Wachstum. Denn die menschliche Zelle muss sich für eine von zwei Richtungen entscheiden: Entweder sie befindet sich im Schutz-, oder im Wachstumsmodus.

Schutz oder Wachstum, beides ist für die menschliche Zelle nicht gleichzeitig möglich!

Und hier sind wir wieder im modernen Leben angekommen. Das Jagen nach Zielen und Vorgaben lässt uns verbissen unseren Weg verfolgen, lässt uns stets durchbeißen oder uns, wie es im Mannschaftsport sehr oft so schön heißt, in den Gegenspieler oder Gegner verbeißen. Dieses Verbeißen fördert ebenso den Stress, und vor allem lässt es unsere Kiefermuskulatur arbeiten und sich anspannen. Was wiederum zu einer Schutzhaltung führt und unsere wahre Entwicklung, unser Wachstum hemmt. In dem Moment, in dem wir unter Stress geraten, kann unser Gehirn nicht mehr „normal“ arbeiten, denn es wird automatisch das Reptiliengehirn aktiv, und dies steigert unseren Stress noch mehr und hält ihn aufrecht.

Stress hemmt unsere Nebennieren und in weiterer Folge unsere Nieren, was dazu führt, dass wir Flüssigkeit nur sehr schlecht aufnehmen können. Wenn wir also von äußeren Einflussfaktoren gestresst sind und in den sogenannten „Defensive Jaw Modus“ verfallen, kommt unser Flüssigkeitshaushalt durcheinander, weil unser Körper nicht in der Lage ist, das Getrunkene aufzunehmen und zu verarbeiten. Was vor allem im Sport schwere Folgen hat…

Mit Mental- und Bewusstseinstraining kannst du dem entgegen wirken. Wenn du lernst deinen Körper zu entspannen und damit deine in der Kiefermuskulatur gespeicherten Emotionen zu integrieren, kannst du deinen Stress selbständig regulieren und somit aus dem Schutzmodus in den Wachstums-Modus wechseln, um dein ungeahntes Leistungspotenzial zum Vorschein zu bringen und im entscheidenden Moment auch abzurufen!